Medien 2020

Medien 2020: Das große Versagen

Von Vita

Medien

Eines wird in den diversen Jahresrückblicken 2020 ganz sicher fehlen: Das selbstkritische Eingeständnis der öffentlich-rechtlichen Sender und privaten Verlage, auch im zu Ende gehenden Jahr wieder vielfach und auf eklatante Weise nicht geleistet zu haben, worauf ihre Beitragszahler und Käufer einen Anspruch hätten: Investigative, zumindest aber gewissenhafte Recherchen und den Verzicht auf jeden Anschein der Korruption.

Einige Beispiele:

– Auch 2020 fanden sich wieder dankbare Abnehmer für die jährlich zu Ehren eines NS-Unternehmers und KZ-Planers verliehenen 50.000 Euro beim Herbert Quandt Medien-Preis. Die vermeintliche Aufklärung der dunklen Firmengeschichte wird damit ad absurdum geführt.

– Über das Coronavirus wurde und wird zwar rund um die Uhr berichtet, jedoch viel zu selten über eine entscheidende Frage: Wie gelang es der chinesischen Führung, die weltweite Ausbreitung des Virus – auch mittels ihres Einflusses in der WHO – zu vertuschen und womöglich sogar gezielt zu befördern (siehe auch „Wut“ von Bob Woodward).

– Warum ist gelegentlich zwar von den Konzentrationslagern in Xinjiang und einem „kulturellen Genozid“ an den Uiguren zu lesen, während über den bereits seit vielen Jahren stattfindenden tatsächlichen Genozid an den Uiguren und Falun Gong mit geschätzt 1,5 Millionen Todesopfern illegaler Organentnahmen trotz politischer Appelle, unter anderem vom EU-Parlament, so gut wie überhaupt nicht berichtet wird?

– Warum wurde der illegale Angriffskrieg Aserbaidschans und der Türkei gegen das unabhängige Bergkarabach nur von wenigen Medien klar als solcher benannt? Als seien „Kämpfe im Kaukasus“ ähnlich einem Naturereignis „ausgebrochen“? Vielfach wurde die einseitige türkisch-aserbaidschanische Sichtweise „völkerrechtlich gehört Bergkarabach zu Aserbaidschan“ als Tatsache präsentiert (Tagesschau, Agenturen). Nur wenige Medien entsandten ihre Korrespondenten oder berichteten über die Angriffe auf Armenier in Frankreich und Deutschland.

– Auch die Causa Wirecard wurde kaum als das dargestellt, was sie vor allem ist: Ein nahezu komplettes Versagen des Wirtschaftsjournalismus in Deutschland. Selbst die Strafanzeige der BaFin gegen Journalisten der britischen Financial Times, welche den Skandal im Alleingang und gegen den Widerstand der staatlichen Aufseher aufklären mussten, wurde hierzulande einfach zur Kenntnis genommen.

Und wie wird das kommende Jahr? Kaum besser: Der nächste NS-Journalistenpreis ist schon terminiert, Chinas falsche Wirtschafts- und Coronazahlen werden ohne Fußnoten präsentiert, die genozidale Rhetorik der Präsidenten der Türkei und Aserbaidschans weiterhin kaum beachtet und der tägliche Mord an tausenden „Organspendern“ in China bleibt der deutschen Öffentlichkeit voraussichtlich auch in Zukunft verborgen. 

Na dann: Prost Neujahr!