Die vergessenen Themen
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Der Blick auf die Welt

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Gesellschaft

Ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft: Information ist Voraussetzung für richtiges Handeln. Doch auch im Internetzeitalter erreichen uns wichtige Nachrichten oft nicht. Wir müssen sie finden.

Die Gefahren durch Filterblasen und gezielte Desinformation sind bekannt – zumindest jenen Mediennutzern, die ihre Nachrichten noch aus seriösen Quellen und nicht aus den Zeitleisten sozialer Netzwerke beziehen. Doch ironischerweise ist selbst für Bürger mit ausgeprägter Medienkompetenz das vermeintliche Mehr an Informationen im Internet in der Realität oft ein Weniger.

Über die Rahmenbedingungen für Journalismus ist in den vergangenen Jahren viel geschrieben worden. Die unter dem ökonomischen Druck des gewandelten Medienkonsums in vielen Verlagen umgesetzte Formel lautet – frei nach der betriebswirtschaftlichen Logik einer Schraubenfabrik: Immer weniger Redakteure produzieren immer mehr „Content“, der mehrfach verwertet wird.

So reibt sich der Leser verwundert die Augen, wenn er die gleiche Agenturmeldung oder gar Pressemitteilung in verschiedenen Zeitungen (und auf deren Internetseiten) wörtlich abgedruckt findet. Preisfrage: Wenn statt vielen Redakteuren nur noch wenige Redakteure die wirtschaftliche Basis und die Zeit für seriöse Recherche haben – wie viele relevante Themen und Skandale werden dann für immer unentdeckt bleiben?

Dass dieser Mangel an professioneller Recherche nicht durch besonders meinungsstarke, aber in der Regel kaum oder gar nicht ausgebildete Freizeitreporter aufgefangen werden kann, ist offensichtlich. Neu ist allerdings, dass fragwürdige bis propagandistische Inhalte durch Google und vor allem durch Facebook eine ungeheure Verbreitung finden, da sie dort unmittelbar neben seriösen Medienangeboten präsentiert werden.

Doch wie findet man in der Flut der Pseudo-Nachrichten tatsächlich relevante und – vor allem – wahrhaftige Inhalte? Die großen Medienmarken dienen trotz aller Sparmaßnahmen noch als Leuchttürme. Ihre tägliche Themenauswahl ist mitunter eingeschränkt. Doch ihr riesiger Nutzen schlummert in den gewaltigen Archiven, die nun jederzeit zugänglich sind. Von den Mediatheken der Rundfunkanstalten (mit Einschränkungen durch die Depublizierung) über die Printarchive der Tageszeitungen bis hin zum Spiegel-Archiv.

Vor allem aber ermöglicht das Internet den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand: Globale Medienmarken wie die New York Times, die Washington Post, der Guardian, CNN und die BBC sind nur einen Mausklick entfernt. Gleiches gilt für ihre Archive. Auch die Recherche in Fachmedien gestaltet sich über Grenzen hinweg relativ einfach. Hinzu kommen die Webseiten von Universitäten, Behörden, Verbänden, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen für die direkte Quellensuche. Oft verfügen die Webseiten über eigene Datenbanken und interne Suchmaschinen.

Es ist also durchaus machbar, sich aus frei zugänglichen Quellen wirklich umfassend zu informieren. Es erfordert allerdings Zeit und die Bereitschaft zur eigenen Recherche. Ein lohnender Aufwand.